Das Rathaus

 

Das Rathaus

 

Die Rathausgeschichte

Das Rathausgebäude wurde in den Jahren 1906 bis 1907 in der Zeit von Amtmann Otto Thomas gebaut. [1] Der Bau beinhaltete ursprünglich verschiedene Stielelemente wie Neu-Barock (Erker, Türmchen und Gauben), des so genannten Heimatstils (die Fachwerkbauweise und Loggia) sowie der neugotische Treppengiebel. Außer der Verwaltung des Amtes Halver waren ursprünglich auch die Amtsparkasse und ein Polizeigefängnis in dem Gebäude untergebracht.

 
Halvers Rathaus im Januar 2014 (links) und im März 2016 (rechts unten). Noch immer ohne Barrierefreiheit - zum Leidwesen der Rollstuhlfahrer. Fotos: © Axel Ertelt.

Während des Zweiten Weltkriegs, im Februar 1945, schlug eine Bombe in der Thomasstraße ein, die erheblichen Schaden am Rathaus anrichtete. Ganze Wandteile stürzten ein. Die Verwaltungsangestellte Leni Bürger erlitt erhebliche Verletzungen, wie der ehemalige Halveraner Bürgermeister Hans-Jürgen Kammenhuber in einem AA-Bericht vom 06.09.2014 berichtete. Splitter dieses Bombenfalls töteten zudem den Arbeiter Adolf Maximowitz, der gerade im Rathauspark mit einer Kreissäge Holz zerkleinerte. Etliche Passanten, die die Bombe fallen sahen, konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Da das Gebäude im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde, sorgten Reparaturarbeiten und spätere Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen für manche Veränderung im Laufe der Zeit, so dass vom ursprünglichen Aussehen nicht mehr viel übrig blieb (z. B.: Türmchen und Treppengiebel).

 

Das Rathaus soll barrierefrei werden

Schon lange überfällig, aber auch im Rahmen der Regionale im Gespräch und am 25.11.2013 vom Rat einstimmig favorisiert, ist der barrierefreie Um- bzw. Ausbau des Halveraner Rathauses. Zur Diskussion stehen zwei Varianten, um das Rathaus barrierefrei zu bekommen: Die kleine und die große Lösung. Bei der kleinen Variante geht es um eine längere Rampe um überhaupt erst einmal ins Rathaus zu gelangen, was für Rollstuhlfahrer bisher gar nicht möglich ist. Im Innenbereich soll es dann einen Plattformaufzug geben, mit dem Rollstuhlfahrer dann ins erste Obergeschoss gelangen können. Diese billigere Variante ist jedoch „nichts halbes und nichts ganzes“, da der Plattformaufzug nur ein Stockwerk hinaufgehen würde. Ins darüber liegende Stockwerk wäre dann immer noch kein Weiterkommen für Rollstuhlfahrer.

Bei der großen Variante, die inzwischen von allen Seiten favorisiert wird, gibt es einen 40 m² großen gläsernen Anbau mit einem Außenaufzug. Das Ganze würde ans Rathaus angebaut und zwar im Bereich des kleinen Parkplatzes zur Mittelsstraße hin. Der Außenaufzug würde bis ins oberste Stockwerk führen. Nur durch diese Variante könnte das Rathaus tatsächlich barrierefrei sein und diesem Begriff gerecht werden. Die Hilfe für Behinderte plädiert im Interesse und Namen der Behinderten und Rollstuhlfahrer ebenfalls für diese Lösung. „Das Halveraner Rathaus ist schon zu lange behindertenfeindlich geblieben. Deshalb sollte nun nicht an ein paar Euro gespart werden, zumal andere, umstrittene Projekte weitaus mehr Kosten verursachten und verursachen.“

Erfreulich ist, dass im Rahmen der Barrierefreiheit für das Rathaus auch Umbauarbeiten an Toiletten geplant sind, so dass dann mindestens eine behindertengerechte (= Rollstuhlgeeignetes WC) Toilette vorhanden sein wird. Ursprünglich hoffte man auf einen Fördersatz von 80 %. Da hätte der Eigenanteil der Stadt nach ersten Informationen bei 133.000,00 € gelegen (für die kleine Variante bei rund 69.000,00 €). Aktuell (Oktober 2014) sieht es so aus, dass der Anbau rund 550.000,00 € kosten wird, wovon es aber nur 230.000,00 € Fördergeld der Regionale gibt. Das sind deutlich weniger als 50 % – also, nicht einmal die Hälfte. Und, das Land hat dem Erweiterungsantrag für den Aufzugsanbau noch nicht zugestimmt, weshalb das Projekt derzeit (Oktober 2014) in der Planung ruht. Nach einem Bericht im Magazin „Hallo Volmetal vom 11. Dezember 2014 wurden von der Landesregierung NRW für die Stadtentwicklung in unserem Bundesland Fördermittel in Höhe von insgesamt 115.000.000,00 € bewilligt. Davon sollen im kommenden Jahr (= 2015) 440.000,00 € in unsere „Stadt im Grünen fließen. Halvers Bürgermeister Dr. Bernd Eicker sagte dazu in der vorletzten Ratssitzung 2014, dass diese zum Umbau des Rathaus benutzt werden sollen.

 

Jetzt geht’s mit der Barrierefreiheit endlich los!

Im Juni 2015 wurde dann die große Variante mit dem gläsernen Anbau endgültig beschlossen. Allerdings hatten sich bis dato auch die Baukosten nochmals um 30.000 Euro auf nunmehr 580.000 Euro erhöht. Ob es letzten Endes dabei bleibt muss noch abgewartet werden. Noch damals war Bauamtsleiter Michael Schmidt optimistisch, dass die Baumaßnahme im Spätsommer 2015 begonnen werden könnte. Dazu kam es dann leider doch nicht und erst im Mai 2016 wurde es ernst mit dem Aufzugsanbau.

Die Baumaßnahme zum behindertengerechten Zugang hat begonnen. Noch ist nicht allzuviel zu sehen. Doch das soll sich bald ändern.
Fotos: Axel Ertelt (20.05.2016)

Der Rathausparkplatz wurde im Mai 2016 im Bereich des geplanten Aufzuganbaus gesperrt und die Bagger rückten an. Eine tiefe quadratische Grube wurde ausgehoben und am 19. Mai 2016 mit einer ersten Fundamentsschicht, der „Sauberkeitsschicht“, ausgegossen. Darauf kommt dann noch eine 40 Zentimeter starke Fundamentsschicht für den Aufzug. Bis zum Jahresende 2016 soll er einsatzbereit sein und das Rathaus endgültig barrierefrei machen. Dann betritt man den Aufzug bei der Ankunft am Rathaus an der Außenseite und verlässt ihn dann auf der gegenüberliegenden Seite ins Rathaus hinein. Solche Aufzüge werden als „Durchlader“ bezeichnet.

Der Eingangsbereich des Foyers liegt zur Thomasstraße und erhält Automatictüren um die komplette Barrierefreiheit zu garantieren. Fünf Etagen können dann mit dem Aufzug angesteuert werden: Das Kellergeschoss, ein Zwischengeschoss, die erste und die zweite Etage sowie das Dachgeschoss. Die Technik des Fahrstuhls wird in einer sogenannten „Unterfahrt“ installiert, die unterhalb des Rathausfundaments untergebracht wird. Dafür musste die Giebelwand des Gebäudes aufwändig abgefangen werden. Die Baukosten werden bereits im Mai 2016 mit ca. 600.000 Euro beziffert.

Da das Rathaus denkmalgeschützt ist, werden vor allem die Innenarbeiten hohe Kostenfaktoren sein. Dazu zählt auch der Umbau der im Erdgeschoss befindlichen Damen-Personaltoilette zu einem Behinderten-WC. Eine Ersatz-Personaltoilette wird dann einen Stock höher eingerichtet.

 

Quellen- und Literaturhinweise
 
Allgemeiner Anzeiger: „Mehrheit für gläsernen Rathaus-Anbau“; Allgemeiner Anzeiger, 14.11.2013
Brosch, Michael: Persönliches Gespräch mit Axel Ertelt am 03.05.2016
Domke, Friederike: „Aufzug 30.00 Euro teurer“; Allgemeiner Anzeiger, 11.06.2015
Hallo Vometal: „440.000 Euro für barrierefreies Rathaus“; Hallo Volmetal, 11.12.2014
Heimatverein Halver e. V.: „Historischer Rundgang"; Bell Verlag o. J.
Hesse, Florian: „Aus der Baugrube wächst der Rathaus-Fahrstuhl“; Allgemeiner Anzeiger, 20.05.2016
Kahlke, Rüdiger: „Schild erinnert an Amtmann Thomas“; www.derwesten.de, 16.04.2008
Kammenhuber, Hans-Jürgen: „Bahnstrecken waren Angriffsziele der Tiefflieger“; Allgemeiner Anzeiger, 06.09.2014
Ruthmann, Detlef: „Barrierefreies Rathaus“; Allgemeiner Anzeiger, 22.11.2013
Ruthmann, Detlef: „Rathausanbau: Planung ruht“; Allgemeiner Anzeiger, 24.10.2014
Zacharias, Frank: „Anbau weiter im Gespräch“; Allgemeiner Anzeiger, 07.11.2013
Zacharias, Frank: „Barrierefreiheit mit Anbau“; Allgemeiner Anzeiger, 27.11.2013
 

 
[1] Otto Thomas (* 18.02.1867 - † 07.06.1928) war von 1901 bis 1927 Amtmann in Halver. In Gedenken an ihn wurde 10 Jahre nach seinem Tode die Amtsstraße in Thomasstraße umbenannt.
 
Abb. rechts: Ein Zusatzschild unter dem Straßennamen (Ecke Frankfurter Straße/ Thomasstraße) erinnert an Amtmann Otto Thomas.
 
Foto: Axel Ertelt, 03.02.2014.
  
Wie sich jetzt (20.02.2017) aufgrund einer mir aufgefallenen Unstimmigkeit herausstellte, ist die Jahresangabe des Geburtsdatums auf dem Schild falsch. Richtig ist der 18.02.1867 als Geburtsdatum von Amtmann Otto Thomas.

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 20.02.2017 19:45:08 Uhr.

 

 


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