Halveraner Herbstlichterlauf

 

Eine neue Idee löst den Stadtlauf ab

Der erste Herbstlichterlauf fand als Nachfolge der früheren Stadtläufe am Vorabend des Halveraner Herbst 2013 statt. Da hatten sich der Stadtsportverband Halver e.V. und die Leichtathletik-Gemeinschaft Halver-Schalksmühle etwas ganz Neues einfallen lassen, was es so in Halver noch nie gegeben hatte. Passend zur Veranstaltung des Halveraner Herbstes und somit auch zur Jahreszeit wurde der erste Herbstlichterlauf am Vorabend der Großveranstaltung durchgeführt.

Alles begann um 17.30 Uhr mit dem Glühwürmchenlauf für die Kinder der Jahrgänge 2006 und jünger über eine Strecke von 200 Metern. Danach schlossen sich der LED-School-Run und der LED-Run für die Teilnehmerjahrgänge 2005 bis 2002 an, die über eine Distanz von 800 Metern gingen. Auf diese Läufe folgten der Zyklopen-School-Run und der Zyklopen-Run mit einer Laufstrecke über 1.600 Meter für die Jahrgänge 2001 bis 1994. Im Anschluss daran gab es gegen 19.15 Uhr die Siegerehrungen für diese Läufe. Während alle anderen Läufe für jedermann offen waren, waren der LED-School-Run und der Zyklopen-School-Run ausschließlich den Kindern aus den heimischen und benachbarten Schulen vorbehalten.

Der Herbstlichterlauf für die Erwachsenen startete wie alle anderen Läufe auch an der Frankfurter Straße und ging über eine Distanz von 5.200 Metern. Startschuss dafür war um 20.00 Uhr und die Siegerehrung gegen 20.45 Uhr. Während der Läufe sollten die Zuschauer entlang der Strecken eine Lichterkette bilden.

 

5. Herbstlichterlauf 2017 mit fadem Beigeschmack

Am Samstag, dem 23, September 2017, fand, wie die letzten Jahre schon, am Vorabend des Halveraner Herbst, der nun bereits 5. Halveraner Herbstlichterlauf statt. Zum ersten Mal hatte ich dieses Jahr die Gelegenheit mit meiner auf den Rollstuhl angewiesenen Frau diese Veranstaltung zu besuchen. Während sich die Stadt bemüht Halver barrierefreier und damit vor allem auch behindertenfreundlicher zu machen, mussten wir leider während dieser Veranstaltung das Gegenteil erleben. Mehr dazu und zu unserem Fazit, dass wir aus unserem Erlebnis zogen, weiter unten.

 

Sparkasse setzte Prämie aus

Die Wettbewerbe sind im Prinzip jedes Jahr die Gleichen und auch der Zeitrahmen ist zumindest nach Plan fast immer identisch. Neu war 2017 allerdings, dass der Startpunkt am Alten Markt war und diesmal entgegen der Richtung der Vorjahre gelaufen wurde. Der Zielpunkt war am neuen Kreisel Frankfurter Straße/Bahnhofstraße. Die Sparkasse als einer der Sponsoren hatte für die fünf Schul- oder Kindergartenklassen mit der meisten Laufbeteiligung eine Prämie von je 100 Euro ausgesetzt.

Diese Prämie wurde dann zwei Monate später (!) endlich an die Siegerklassen übergeben. Die 500-Euro-Sparkassenspende wurde nach Claudia Wrede, der Vorsitzenden des Stadtsportverbandes, an die Siegerklassen wie folgt aufgeteilt: 1. Platz = Saphir-Gruppe der Lindenhofschule (100,00 Euro), 2. Platz = Smaragd-Gruppe der Lindenhofschule (100,00 Euro), 3. Platz = Esel-Gruppe der Primus-Schule, Platz 4 = Klasse 3c der Grundschule Auf dem Dorfe und den Platz 5 teilten sich die Klasse 1c der Grundschule Auf dem Dorfe und die Rote Gruppe der DRK-Kindertagesstätte Juno.

 

 „Als Rollstuhlfahrer hast du schlechte Karten“

Um 18.00 Uhr sollten eigentlich die Läufe des LED-Runs über eine Strecke von 800 Metern beginnen. Doch es gab da einige extreme Verzögerungen, so dass der erste LED-Run mit erheblicher Verspätung startete.

Meine Frau, im Rollstuhl sitzend und zwingend auf diesen angewiesen hatte ich am Rand der Fahrbahn, in der grob gepflasterten Gosse postiert, damit sie auch etwas von der Veranstaltung sehen konnte. Als der erste Lauf dann endlich starten sollte, kam plötzlich ganz aufgeregt einer der Veranstaltungshelfer angelaufen und verwies völlig barsch meine Frau im Rollstuhl weit zurück auf den Bürgersteig hinter die gepflasterte Gosse – möglichst noch weiter zurück. Als Argumentation musste die „Sicherheit der Läufer“ herhalten, denn diese könnten ja versehentlich beim Laufen von der asphaltierten Fahrbahn abkommen und dann gegen den Rollstuhl laufen und sich dabei erheblich verletzen.

Die LED-Run-Läufe sind ausgerichtet für Kinder der Geburtsjahrgänge von 2009 (= Mindestalter 8 Jahre oder zumindest kurz davor) bis 2006 (= Mindestalter 11 Jahre oder zumindest kurz davor). Das ist ein Alter, von dem man ausgehen muss, dass sie alleine zur Schule gehen und sich eigenständig und sicher im Verkehr bewegen können. Jedenfalls sieht die Straßenverkehrsordnung vor, dass Kinder ab dem achten Lebensjahr sogar mit dem Fahrrad auf der Straße fahren dürfen und ab 10 Jahren sogar müssen. Und diese Kinder sollen nach den Veranstaltern offenbar nicht in der Lage sein beim Laufen auf der Fahrbahn zu bleiben – so wie es bei zwei- bis dreijährigen Kindern natürlich durchaus passieren könnte.

Nun gut, wie heißt es doch so treffend? „Der Klügere gibt nach.“ Da der Veranstaltungshelfer den Lauf nicht eher freigeben wollte bis meine Frau mit ihrem Rollstuhl deutlich nach hinten – außer Sichtweite – fuhr, schob ich meine verständnislos blickende Frau mit ihrem Rollstuhl zurück. Klar, dass sich nun die anderen Besucher nach vorne drängten und meiner Frau die komplette Sicht versperrten. Die Lust auf Weiteres war uns gründlich vergangen. Ich machte noch schnell ein paar Fotos vom ersten Lauf und dann verließen wir kurzerhand diese Veranstaltung.

Unser Fazit ist gleichermaßen ein Versprechen. Den Herbstlichterlauf muss man sich nicht antun – vor allem nicht, wenn man im Rollstuhl sitzen muss. Meine Frau wird ihn in Zukunft nicht mehr mit ihrem Rollstuhl „gefährden“, denn wir werden ihn in Zukunft garantiert nicht mehr besuchen!

 

Literatur- und Quellenverzeichnis

„5. Halveraner Herbstlichterlauf“; Einladungsflyer, 2017
Allgemeiner Anzeiger: „Herbstlichterlauf am 23. September“; Allgemeiner Anzeiger, 30.08.2017
dela: „Spende für eifrige Lichterläufer“; Allgemeiner Anzeiger, 25.11.2017
Hesse, Florian: „Herbstlichterlauf andersrum“; Allgemeiner Anzeiger, 26.08.2017

    


Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 03.01.2018 21:16:00 Uhr.