Halvers Post

 

 

Halvers Post

 

Abb. oben links: Briefkasten. Foto: © LouPe, Pixelio.de.

 

Die Anfänge der Post in Halver

Die erste Post in Halver gab es bereits im Jahre 1786. Damals hatte Peter Caspar Eversberg das Postwärteramt übernommen, das er 8 Jahre lang, bis zu seinem Tode, innehatte. Danach übernahm diese Aufgabe seine Witwe bis zum Jahr 1798. Der dritte Postwärter und späterer Postexpediteur wurde dann ihr zweiter Ehemann, der Gastwirt Christoph Gürtzgen. Die Räumlichkeiten dafür waren in der Marktstraße 8, jenem Haus, das früher „Paschhaus“ genannt wurde und bis heute als „Posthaus“ bekannt geblieben ist.

Abb. rechts: In diesem Gebäude in der Marktstraße befand sich die erste Poststelle Halvers. Über dem Eingang steht noch heute der Schriftzug „POSTHAUS".
Foto: Axel Ertelt, 03.02.2014.

In Ermangelung eines Poststempels, den es damals in Halver noch nicht gab, wurde bei abgehender Post vom jeweiligen Postwärter der Aufgabe- bzw. Einlieferungsort von Hand auf die Postsendung geschrieben. Die ganze Post ging von Halver aus erst einmal zur vorgesetzten Postdirektion in Schwelm. Dort wurde sie mit dem Schwelmer Poststempel versehen und erhielt zudem den Stempel „P.P.“. Das stand für „Port perҫu“ und zeigte, dass das Porto komplett bis zum Bestimmungsort bezahlt war. Postanwärter Gürtzgen ließ sich später auf eigene Kosten einen so genannten „Postanwärter-Stempel“ anfertigen und konnte den Aufgabeort dann arbeitserleichtert abstempeln. Seit wann er diesen benutzte, ist nicht genau bekannt. Der älteste mir bekannte Nachweis stammt aus November 1823.

 

Die ersten offiziellen Poststempel in Halver

Zum 1. Januar des Jahres 1825 bekamen die preußischen Postwärterämter und späteren Postexpeditionen eigene Poststempel. Neben der Ortsangabe enthielten diese auch das Datum. Für die Halveraner Post ist der Einsatz eines solchen Stempels von November 1825 bis zum Februar 1856 nachgewiesen. Von Februar 1834 bis Februar 1836 gab es auch einen Rundstempel mit recht kleinem Durchmesser (s. Abbildung unten, der Rundstempel oben), der sich aber nicht einbürgern konnte. Wegen seines geringen Durchmessers wurde er auch „Fingerhutstempel“ genannt. Aus der Zeit vom Oktober 1837 bis August 1838 sind Rundstempel mit einem etwas größeren Durchmesser bekannt (siehe Abbildung unten, der Rundstempel rechts), die sich aber ebenso wenig dauerhaft durchsetzen konnten.

Ab ca. der Mitte des 19. Jahrhunderts sind die so genannten „Ringnummernstempel“ bekannt, die die aufkommenden Briefmarken entwerteten bzw. „vernichteten“ wie es amtlich hieß. Der Stempelabdruck bestand aus vier Kreisen (Ringen) mit einer dazwischen liegenden Nummer. Halver hatte die Nr. 577. Als Aufgabestempel gab es einen Kastenstempel, der in der oberen Zeile den Aufgabeort und in der darunter liegenden Zeile das Datum und erstmals auch die Uhrzeit der Aufgabe besaß (s. Abbildung links oben). Für Halver nachweisbar ist dieser Stempel von Januar 1958 bis zum September 1867. In ähnlicher Form mit verkürztem Kasten und ohne Uhrzeit- bzw. Datumsangabe war er auch während der Kriegsjahre 1917 bis 1918 in Gebrauch. Aus der Zeit vom Juli 1843 bis in den Januar 1870 hinein ist auch ein Zweikreisstempel bekannt, der zwischen den Kreisen den Ortsnamen Halver enthielt aber ohne Datumsangabe war.

Abb. rechts: Poststempel aus Halvers über 225jährigen Post-geschichte. Besonderheiten: Mitte links der Sonderstempel „200 Jahre Post in Halver". In der Zeile unten Postkartentitel mit Stempel „Carthausen"Zusammenstellung und Scan: Axel Ertelt

Nachfolger von Postexpediteur (wie die Postanwärter inzwischen genannt wurden) Gürtzgen wurde Postexpediteur Füßmann, dessen Amtszeit von 1836 bis 1856 andauerte. Der anschließend amtierende Postexpediteur Husemann wurde bereits im ersten Quartal des Jahres 1859 durch den aus Mühlhausen stammenden Postexpediteur Bohne abgelöst und nach Arnsberg versetzt. Zudem wurde die bis dato einfache Postexpedition Halver zum 1. Januar 1859 in eine „Postexpedition I. Klasse“ umgewandelt. Am 1. Januar 1868 ging das preußische Postwesen auf den Norddeutschen Bund (Norddeutsche Bundespost) über. In dieser Zeit wurden erstmals Rundstempel verwendet, die auch die Jahresangabe enthielten (s. in der Abbildung den unteren der drei Rundstempel). Der älteste Stempelabdruck dieser Art aus Halver ist vom 18. März 1868. Zu dieser Zeit war Postexpediteur Busse, der aus Hohenlimburg nach Halver versetzt worden war, im Amt. Nach Anschluss Halvers an das Eisenbahnnetz im März 1888 durch die Schmalspurbahn von Schalksmühle nach Halver gab es für den nachweisbaren Zeitraum von Mai 1888 bis Dezember 1909 auch einen Stempel, der eine „Bahnpostbeförderung“ belegt.

 

Halvers Postanstalten im 1. Jahrhundert Halveraner Postgeschichte

Brügge: Am 1. September 1853 wurde die erste Halver zugerechnete Postanstalt eingerichtet, die allerdings nicht auf Halveraner Gebiet lag. Es war die Postanstalt Brügge, die ursprünglich in Rhadermühle auf Kiersper Gemeindegebiet gelegen haben soll. Sie hatte große Bedeutung vor allem für den Halveraner Bereich Oberbrügge/Ehringhausen. Der erste Verwalter dieser Postanstalt war der Postexpediteur Nockemann. 1874 wurde die Postanstalt dann zum Bahnhof in Brügge verlegt und erhielt am 1. Juli 1875 die amtliche Bezeichnung „Brügge i. W. 1“.

Oberbrügge: Anstelle der unmittelbar bei Oberbrügge gelegenen Postanstalt in Rhadermühle, die zum Brügger Bahnhof verlegt worden war, wurde am 1. April 1874 in Oberbrügge (damals noch Brügge i. W. Ort) eine Postanstalt unter der Leitung des Bäckermeisters Borlinghaus eingerichtet. Diese erhielt am 1. Juli 1875 die amtliche Bezeichnung „Brügge i. W. 2“. Seit 1882 war diese Postanstalt für einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren in einem Gebäude der Firma C. H. Steinbach untergebracht. Erst seit dem 1. Dezember 1891 lautete die postamtliche Bezeichnung „Oberbrügge“.

Carthausen: Auch in Carthausen wurde am 1. März 1878 eine Postanstalt eingerichtet. Die Leitung wurde dem Kaufmann C. A. Winkhaus übertragen, die dieser über einen Zeitraum von rund 10 Jahren innehatte. Da die Ortsbezeichnung „Carthausen in Westfalen“ recht lang ist, wurde für Carthausen ein rechteckiger Stempel verwendet (s. in der Abbildung unten) obwohl bereits drei Jahre zuvor die runden Normstempel eingeführt worden waren.

Dahlerbrück: Vermutlich auf Drängen der alteingesessenen Reidemeisterfamilie Holthaus wurde am 1. März 1865 eine Postanstalt an der Dahlerbrücke, dort, wo die Glör in die Volme mündet, eingerichtet. Demnach trug der erste Poststempel hier auch die Bezeichnung „Dahlerbrücke“ anstelle von Dahlerbrück. Die ersten Postexpediteure hier waren der Gastwirt Hußer und Weber. Ab 1868 bis zur Schließung der Postanstalt im Jahre 1874 wurde sie von Robert Holthaus verwaltet. Am 21. April 1890 wurde die Postanstalt von der Deutschen Reichspost wiedereröffnet und führte von nun an die Bezeichnung „Dahlerbrück“ in ihrem Stempel.

Schalksmühle: Mit der Inbetriebnahme der Volmetal-Eisenbahn von Hagen nach Brügge am 1. September 1874 wurde in Schalksmühle eine „Eisenbahn-Postanstalt“ eröffnet. Nach mancher Darstellung in der Geschichtsschreibung geschah dies auch als Ersatz für die im gleichen Jahr geschlossene Postanstalt in Dahlerbrück.

 

„Hoch auf dem gelben Wagen“ – Die Personenpost in Halver

Abb. links: Relikt aus längst vergangenen Tagen:
Die Postkutsche.
 
Hoch auf dem gelben Wagen
sitz’ ich beim Schwager [1] vorn.
Vorwärts die Rosse jagen,
lustig schmettert das Horn. …

Bekannt wurde dieses deutsche Volkslied über eine Reise mit der Postkutsche vor allem durch den Auftritt des damaligen Bundesaußenminister und späteren Bundespräsidenten Walter Scheel, als dieser am 6. Dezember 1973 das Lied für wohltätige Zwecke in der ZDF-Fernsehshow „Drei mal Neun“ sang. Das Lied, das auf einer Schallplatte mit zwei Düsseldorfer Männergesangsvereinen auch vermarktet wurde, hielt sich 15 Wochen lang in den deutschen Charts und erhielt als beste Platzierung am 7. Januar 1974 Platz 5. Im Jahr 2006 sang Walter Scheel das Lied mit einem Chor noch einmal in einer Fernsehshow des Moderators Gunther Emmerlich anlässlich einer Preisverleihung durch Hans-Dietrich Genscher.

Ausschlaggebend für die Einführung des Karriolpostverkehrs [2] im Halveraner Umfeld war wohl der Bau der Chaussee von Brügge im Volmetal liegend hinauf nach Halver. Gebaut wurde die Straße in den Jahren von 1827 bis 1833. Aufgenommen wurde damals der Personenverkehr zwischen Lüdenscheid und Halver. Aber schon bald folgten weitere Fahrposten wie die weitergehende, dreispännige Verbindung bis hin nach Schwelm. Dadurch erhielt Halver Anschluss an die Berlin-Kölner Schnell- und Fahrposten und an die Schwelm-Elberfelder Schnellposten.

1839 wurde eine Posthalterei in Halver eingerichtet, so dass im Jahre 1840 auch eine Personenpost von Hagen nach Meinerzhagen hinzukam, die über Halver geführt wurde. 1844 gab es dann bereits 44 Fahrpostverbindungen von und nach Halver. Durch den Bau der Volmestraße zwischen Hagen und Meinerzhagen konnte am 1. Oktober 1851 auch eine über Dahlerbrück/Schalksmühle führende zweispännige, sechssitzige Personenpost eingeführt werden, die täglich zwischen Hagen-Bahnhof und Lüdenscheid verkehrte.

 

Halvers Post im Wandel der Zeit

Eine andauernde Zunahme des Postbetriebes in Halver erforderte größere Räumlichkeiten und einen größeren Personalbedarf. Das machte einen Umzug der Poststelle notwendig, die dann von 1892 im Haus in der Von-Vincke-Straße 18 ansässig war.

Foto links: Das alte Kaiserliche Postamt in der Von-Vincke-Straße 18, wo die Halveraner Post von 1892 bis 1907 untergebracht war.
Foto oben: Schriftzug „Kaiserliches Postamt" mit den Jahresangaben. Dieser befindet sich über der Schaufensterfront. Ganz rechts ist noch das alte Straßenschild zu erkennen.
Fotos: © Axel Ertelt (Mai 2015).

Das alte Postamt an der Ecke Frankfurter Straße/Bahnhofstraße wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut und als altehrwürdiges „Kaiserliches Postamt“ fertig gestellt und eröffnet. Die Einweihung fand im Jahre 1910 statt [3]. Kurze Zeit später erhielten die Halveraner Außenbezirke Anschlag und Schwenke eigenständige Postagenturen. Die hatten jedoch nur kurzen Bestand und wurden schnell wieder aufgegeben.

Abb. rechts: Das „Kaiserliches Postamt“,
wie es heute aussieht.
 
 
Foto: Axel Ertelt, 03.02.2014.

Im Jahre 1924 ging auch Halvers „Kaiserliche Postamt“ in den Besitz der „Reichspost“ über. 1947 wird daraus als Nachfolgerin in den Westzonen die „Deutsche Post“, die 1950 in „Deutsche Bundespost“ umbenannt wird. Im Rahmen der zweiten Postreform im Jahre 1994 wurde die „Deutsche Bundespost“ aufgelöst. Aus ihr gingen die „Deutsche Post AG“, die „Deutsche Telekom AG“ und die „Deutsche Postbank AG“ hervor.

Abb. links: Das alte Osterhaus, in dem sich heute der Teppich Star und die Post befinden. Foto: Axel Ertelt, 03.02.2014.

Als Folge dieser Umstrukturierung wurden Filialen geschlossen, verkleinert oder privatisiert. Davon war auch die Postfiliale in Halver betroffen. Bereits im Mai 2008 berichtete die heimische Presse, dass die Post sich noch in diesem Jahr von ihrer Filiale in Halver trennen wollte und einen Einzelhandelspartner suchte, der als Partnerfiliale den Postservice weiterführt. Am 7. Oktober 2008 war es dann soweit und das Postamt in Halver schloss für immer seine Pforte. Seit dem 8. Oktober 2008 befindet sich die Post im alten „Osterhaus“ [4], im Geschäft Teppich Star (Frankfurter Straße 12). Wie lange sie dort allerdings noch bleiben wird, scheint ungewiss, da das Gebäude mit 2 Wohneinheiten und dem Ladenlokal aktuell für 295.000 € zum Verkauf ansteht. [5] Das Ladenlokal Teppich Star schließt nach 32 Jahren zum 30. Mai 2015 endgültig seine Pforten. Wie die Inhaberin Martina Breinig gegenüber der heimischen Presse erklärte, tat sie diesen Schritt aus gesundheitlichen Gründen. Ein Nachmieter des Ladenlokals sei bereits vorhanden, hieß es weiter, und der werde ab dem 01. Juni 2015 den Laden übvernehmen. Was zukünftig dort angeboten und verkauft werden soll, wurde noch nicht mitgeteilt. Sicher sei jedoch, dass die Postfiliale dort erhalten und auch während der Umbau- und Umräumphase täglich geöffnet bleibt.

Das alte Postgebäude, das einige Zeit leer stand, beherbergt seit dem 29. März 2014 das JobcenterDie einzige weitere Poststelle, die es derzeit noch in Halver gibt, befindet sich im Bioladen Wolf in Oberbrügge (Heerstraße 117). Geöffnet ist sie allerdings von montags bis freitags nur nachmittags von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr und samstags von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr.

 

Quellen- und Literaturhinweise

Come-on: „100 Jahre ein (Kaiserliches) Postamt“; www.come-on.de, 28.06.2012
Heimatverein Halver e. V.: „Historischer Rundgang“; Bell Verlag, Halver o. J.
Mais, Alex: „Die Post verschwindet von der Bildfläche“, in: OnlineZeitung24, http://www.onlinezeitung24.de/article/469, 21.05.2008
Mais, Alex: „Endgültig: Aus für die Post in Halver“; in: OnlineZeitung24, http://www.onlinezeitung24.de/article/632, 12.09.2008
Mais, Alex: „Es fängt ‚gut’ an: Kein Strom – privatisierte Postfiliale macht zu“; in: OnlineZeitung24, http://www.onlinezeitung24.de/article/793, 23.10.2008
Schumacher, Wolfgang: „200 Jahre Post in Halver“; in: Postgeschichtliche Blätter der Gesellschaft für deutsche Postgeschichte e. V., Bezirksgruppe Dortmund, Dezember 1986
Teppich Star: Preissturz: Alles muss raus"; Anzeige in: Hallo Volmetal, 05.03.2015
Wikipedia: „Deutsche Bundespost“; de.wikipedia.org, 03.07.2013
Wikipedia: „Deutsche Postgeschichte“; de.wikipedia.org, 07.07.2013
Wikipedia: „Hoch auf dem gelben Wagen“; de.wikipedia.org, 04.08.2013
Wikipedia: „Karriol“; de.wikipedia.org, 04.01.2014
Wikipedia: „Walter Scheel“; de.wikipedia.org, [27.01.2014]
 
 

 
[1] Der Begriff Schwager bezeichnet hier umgangssprachlich den Postillon (von französisch chevalier [Post-]Reiter).
[2] Karriolpost nannte man früher einen ein- oder zweiachsigen Briefpostwagen, der auch Personen befördern durfte. Er wurde von einem Pferd gezogen und für Nebenstrecken, beispielsweise im Preußischen Postwesen eingesetzt.
[3] Der Come-on-Artikel vom 28.06.2012 nennt für die Fertigstellung des „Kaiserlichen Postamts“ das Jahr 1907.
[4] Der Name „Osterhaus“ stammt nicht etwa von Ostern ab sondern von dem Umstand, dass das „Osterhaus“ lange Zeit das am weitesten nach Osten gelegene Haus in Halver war. Es ist eines der ältesten Häuser Halvers, das bereits im 16. Jahrhundert erwähnt wurde.
[5] Quelle: Immo-News, April/Mai 2014, Sparkasse Lüdenscheid Immobilien Center.
 

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 26.07.2015 19:46:16 Uhr.

 

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