Halvers Wasserversorgung

 

Halvers Wasserversorgung

 

Unterscheidung in technische und soziale Infrastruktur: Als Infrastruktur bezeichnet man im Allgemeinen alle staatlichen und privaten Einrichtungen, die sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung als auch für die ausreichende Daseinsversorgung als notwendig gelten. Zur technischen Infrastruktur gehören beispielsweise Einrichtungen der Verkehrs- und Nachrichtenübermittlung, der Energie- und Wasserversorgung, der Entsorgung. Zur sozialen Infrastruktur gehören z.B. Schulen, Krankenhäuser, Sport- und Freizeitanlagen, kulturelle Einrichtungen und Einkaufsstätten [1].

Ursprünglich bezogen die Halveraner Bürger ihr Trinkwasser aus zahlreichen Einzelbrunnen und aus Sickerfassungen und Zisternen, die sich in den Kellern der Häuser befanden. Im Jahr 1905 wurde ein Brunnen am Ennepebach, in der Nähe der Büchermühle, in Betrieb genommen. Dies war praktisch der Beginn der öffentlichen Wasserversorgung in Halver. Noch im gleichen Jahr wurde an der Elberfelder Straße ein 36 m hoher Wasserturm mit einer Kapazität von 200 m3 fertig gestellt. Mit den Bauarbeiten war die Halveraner Baufirma Brückmann beauftragt worden. Im Kostenvoranschlag für den Turm war die Arbeitsstunde eines Poliers mit 50 Pfennig angesetzt. Das war mehr als das Doppelte, was damals ein Fabrikarbeiter verdiente. Ein Pumpwerk in Nieder-Ennepe pumpte das Wasser zum Turm hinauf. Wenige Jahre später kam bei der Büchermühle ein zweiter Brunnen hinzu. Dies stellte die örtliche Wasserversorgung bis ins Jahr 1955 sicher. Danach wurde es bei der rasant ansteigenden Einwohnerzahl notwendig das Wasser auch über die ortsnahen Wasserverbände hinzuzukaufen.

Als in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, genauer gesagt am 12. April 1945, amerikanische Infanterietruppen auf Halver vor- und einrückten, gab es anfangs auch verstärkten Granatenbeschuss. Dabei wurde auch der Halveraner Wasserturm erheblich beschädigt. Das hatte zur Folge, dass ganz Halver für mehrere Tage ohne Wasser war. 

Bis ins Jahr 1970 oblag die städtische Wasserversorgung der öffentlichen Verwaltung. Dann wurde sie aus dieser ausgegliedert und der städtische Eigenbetrieb Stadtwasserwerk Halver gegründet, der von nun an die Wasserversorgung in Halver garantierte. 1997 wurde aus dem Stadtwasserwerk Halver die Stadtwerke Halver GmbH, die ein Jahr später auch ins Abwassergeschäft einstieg. Im Jahr 1998 übernahmen die Stadtwerke Halver GmbH von der Stadt Halver auch die Straßenbeleuchtung, die bereits seit Anfang der 80er Jahre von ihr betreut wurde.

Oben: Das Pumpwerk Halver-Bolsenbachtal im unteren Bereich der Kölner Straße. (Foto: © Axel Ertelt, 03.08.2013)

In den 70er Jahren führte das Stadtwasserwerk Halver eine grundlegende Sanierung und Neuausrichtung der Wasserversorgung durch. Diese rund 10 Millionen Euro teure Sanierung war auch dadurch notwenig geworden weil der Wasserturm immer maroder wurde. Eine Renovierung und Sanierung des Wasserturms stand nicht mehr zur Debatte. 1975 war im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen ein neuer Wasserhochbehälter an der Karlshöhe und in der Hagedornstraße eine moderne Druckerhöhungsstation errichtet worden. Stattdessen suchte man nach einem Interessenten. In weiten Teilen Nordhrein Westfalens, an Rhein und Ruhr, erschienen Presseberichte mit der Schlagzeile „Halver hat einen Turm zu verschenken“. Ideen für eine neue Verwendung des Wahrzeichens gab es reichlich – bis hin zu einem Café in der Turmkrone. Da sich weder ein Interessent noch ein Investor fand, wurde die Sprengung des zum Halveraner Wahrzeichen gewordenen Wasserturmes auf den 21. Mai 1977 angesetzt.

Rechts: Der alte Halveraner Wasserturm. Foto: THW Ortsverband Halver, aus der THW-Chronik 1977. Übernommen mit freundlicher Genehmigung des THW vom 22.09.2013.

Ursprünglich sollte das Halveraner THW (Technisches Hilfswerk) die Sprengung ausführen und leistete dazu auch die ganze Vorarbeit. Doch dann wurde der Auftrag zur Sprengung anderweitig, an eine Wuppertaler Firma, vergeben, „da man eine geringe Versicherungssumme nicht aufbringen will“ (Zitat THW). Dabei, so hieß es, handele es sich um eine Spezialfirma mit ausreichender Erfahrung im Sprengen von Türmen. Wie ausreichend die Erfahrung war, zeigte sich gegen 13.00 Uhr, als der Turm die erste Sprengung scheinbar unbeschadet überstand und stehen blieb. Erst die zweite Sprengung gegen 15.00 Uhr brachte den Turm zu Fall. Jedoch fiel er nicht, wie geplant und berechnet, auf das Gelände des Wasserwerks, sondern mitten auf die Elberfelder Straße. Schaden richtete der Fall des ca. 300 m3 Mauerwerks zum Glück nicht an.

Viele Halveraner, vor allem der älteren Generation, trauern noch heute um ihn. Und auch die Segelflieger des Halveraner Luftsportvereins hatten mit ihm einen ihrer wichtigsten Orientierungspunkte verloren.

Am Versberg bei Halverscheid gibt es einen Wasser-Hochbehälter der Stadtwerke Halver GmbH. Er befindet sich gut versteckt im Wald und ist nur über ein  Privatgrundstück oder einen sehr schlecht passierbaren Weg von Heesfeld aus zu erreichen. Gebaut wurde der Hochbehälter, der zwei 75 m2 große Kammern mit einem Fassungsvermögen von je 500 m3 hat, Mitte der 1970er Jahre. Ein zweiter Hochbehälter der Stadtwerke steht oberhalb der Heerstraße, am Brehenberg. Nach Auskunft der Stadtwerke Halver GmbH sind beide Hochbehälter, genau wie die so genannten Eigenförderbrunnen an der Büchermühle und an der B 229 nahe der Ennepe, mit Alarmanlagen gesichert. Die Hochbehälter dienen der Zwischenlagerung des Wassers, das vom Wasserbeschaffungsverband (WBV) eingekauft wird. Es kommt unter anderem auch aus der Jubach-Talsperre.

Im November 2013, nach rund 40 Jahren, wurde jetzt mit umfangreichen Sanierungsmaßnahmen der Hochbehälter am Versberg begonnen. Im Laufe der Zeit hatten sich Risse und Fugen gebildet. So wurde auch die „schwimmbad-blaue“ Chlor-Kautschuk-Beschichtung der Innenwände entfernt, die heute nicht mehr dem Stand der Technik entspricht. Stattdessen wird ein Spritzmörtel aufgetragen, der eine 15 mm dicke Schicht ergibt, die am Ende noch einmal per Hand glatt geschliffen wird. So soll das Wasser keine Chance mehr haben sich in Nischen festzusetzen. „Außerdem erneuern wir die komplette Verrohrung. Die Guss- werden durch Edelstahlrohre ersetzt“, sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Halver GmbH, Michael Schmidt. Die Sanierungsmaßnahmen belaufen sich auf rund 140.000,00 Euro.

Nicht mehr sanierungsfähig ist dagegen die Pumpstation am Langenscheid, die erneuert werden muss. Dies soll nach Vorgaben aus Arnsberg bis zum, Jahresende 2015 geschehen sein. Am 02.10.2015 bekam ich per Email eine Anfrage zum aktuellen Stand in Sachen Neubau der Pumpstation am Langenscheid, da bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit dem Bau der Pumpstation begonnen worden war und die Frist aus Arnsberg doch zum 31.12.2015 auslaufe. Grund für die Verzögerungen war offenbar zu diesem Zeitpunkt eine sogenannte überplanmäßige Ausgabe für die EMSR-Technik des Pumpwerks. Dazu musste der Rat der Stadt Halver noch erst einen Beschluss fassen. Mit Datum vom 23.09.2015 erweiterte Bürgermeister Dr. Bernd Eicker die Tagesordnung zur Rats-Sitzung am 28.09.2015 deshalb u. a. wie folgt: „6.1 Pumpwerk Langenscheid – EMSR-Technik –; Genehmigung einer überplanmäßigen Ausgabe“. In ihrer Ratssitzung am 28.09.2015 bestätigten die Ratsmitglieder der Stadt Halver dann einstimmig auch die zusätzlich benötigten 42.000 Euro für das Pumpwerk Langenscheid.

Halvers Wasserversorgung wird heute durch ein ca. 120 km langes Leitungsnetz sichergestellt, durch das die Stadtwerke Halver GmbH rund 17.000 Einwohner in 96,5 % des Gebietes jährlich mit über 830.000 m3 Trinkwasser beliefern. Das entspricht etwa 2.300 m3 Wasser täglich. 2008 kostete ein Kubikmeter Wasser 1,50 Euro inkl. einer 7%igen Mehrwertsteuer. Dieser Preis blieb bis 2013 konstant und lag damit zuletzt noch 12 Eurocent unter dem NRW-Landesdurchschnitt. Die Abwassergebühren pro Kubikmeter waren in der Vergangenheit von 1,69 Euro über 1,51 Euro auf zuletzt 1,45 Euro in 2013 gesenkt worden. So lagen diese sogar um 1,14 Euro unter dem NRW-Landesdurchschnitt. Diese Zahlen vermeldete der Allgemeine Anzeiger am 12. Dezember 2013. Doch schon einen Tag später war die Euphorie vorbei, denn in einem weiteren Bericht musste die Zeitung eine Kostensteigerung um 7 Eurocent auf 1,57 Euro pro Kubikmeter Wasser per 1. Januar 2014 vermelden. Michael Schmidt, Geschäftsführer der Stadtwerke Halver GmbH begründete dies mit einem sinkenden Wasserverbrauch, den damit verbundenen geringeren Erlösen und den Preis- und Lohnsteigerungen.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier brachte die europaweite Öffnung der Wassernetze auf die Tagesordnung der EU. Daraufhin meldeten sich vor allem deutsche Kommunen zu Wort, in deren Hand in Deutschland größtenteils die Wasserversorgung liegt. Die Rede war von „Zwangsprivatisierung“ und von einer enormen Gefahr für die deutsche Wasserqualität. Wäre es dazu gekommen, wäre unter Umständen auch die Stadtwerke Halver GmbH betroffen gewesen und Halver würde in Zukunft vielleicht von einer ausländischen Firma mit Wasser versorgt werden. Doch dazu kommt es nicht, denn am 25.06.2013 wurde im Rahmen des  europäischen Trilog-Gesetzgebungsverfahrens entschieden, den Wasser-Bereich komplett aus dem Anwendungsbereich der EU-Dienstleistungskonzessionsrichtlinie herauszunehmen.

Derzeit vergibt die Stadt Halver die Konzession für die Halveraner Wasserversorgung ab 2014 neu. Die Ausschreibung dazu erfolgte bereits im Frühjahr 2013. Eigentlich wäre die derzeitige Konzession der Stadtwerke Halver GmbH, die zu 51 % von der Stadt Halver und zu 49 % vom Energieanbieter Enervie gehalten werden, erst im Jahre 2017 ausgelaufen, berichtete Geschäftsführer Michael Schmidt. Doch hatte sich die Stadt mit dem Energieunternehmen auf eine vorzeitige Auflösung des Vertrages zum Ende des Jahres 2013 geeinigt. Damit sollte wohl die Möglichkeit verringert werden, dass ein Fremdunternehmen künftig die Halveraner Wasserversorgung übernimmt, denn dies gilt als relativ unwahrscheinlich.

Während es früher in diesem Bereich mancherorts auch schon mal Laufzeiten von bis zu 40 Jahre und mehr gab, ist heute nur noch eine Laufzeit von maximal 20 Jahren möglich. Diese wird von der Stadt Halver mit den Stadtwerke Halver GmbH angestrebt. Die Bewerbungsfrist der europaweiten Ausschreibung ist bereits im August abgelaufen. Im Hinblick auf „das laufende Verfahren“ wollte Kämmerer Markus Tempelmann keine Auskunft über die Bewerber und Vertragsinhalte geben. Lediglich dass die Verträge erst zum Jahresende unterzeichnet werden sollen ließ man von Seiten der Stadt durchblicken.

Oben: Fahrzeuge aus dem Fuhrpark der Stadtwerke Halver. Fotos: © Axel Ertelt.

 

Keinen Abfall in die Toilette werfen!

Seit dem 04. Dezember 2014 wird im Bereich Halver-Schwenke das Entwässerungsnetz regelrecht sabotiert. Wie der Allgemeine Anzeiger bereits mehrfach berichtete, wird die Schwenker Pumpstation seitdem permanent mit Putzlappen und Hygieneartikeln außer Gefecht gesetzt. Innerhalb eines Monats mussten die Stadtwerke Halver GmbH bereits 18 mal den Müll aus der Pumpstation beseitigen. Jeder Einsatz kostet dabei zwischen 400 Euro und 500 Euro. Das sind bisher bei einem Mittelwert gerechnet 8.100 Euro. Bislang war so ein Einsatz nur ca. einmal im Jahr erforderlich.

Die Stadtwerke Halver GmbH weisen daraufhin, dass diese Kosten auf die Bürger umgelegt werden und somit zukünftig drastisch die Abwassergebühren erhöhen, die letzten Endes jeder von uns bezahlen muss. Darum, im Interesse der Allgemeinheit:

 Bitte keinen Müll in die Toilette werfen! 

Putzlappen und Hygieneartikel wie Binden oder Ähnliches
gehören in den Restmüll, nicht in die Toilette!
 

 

Quellen- und Literaturhinweise

Allgemeiner Anzeiger: „Stadtwerke erhöhen Wasserpreis“;  Allgemeiner Anzeiger, 13.12.2013
Bundeszentrale für politische Bildung: „Lexikon der Wirtschaft“; 2. Aufl., Bibliographisches Institut, Mannheim und F.A. Brockhaus, 2004. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2004.
Domke, Friederike: „Schwenke: Putzlappen verstopfen Pumpen"; Allgemeiner Anzeiger, 30.12.2014
Domke, Friederike (fsd): „Überplanmäßige Ausgaben beschlossen“; Allgemeiner Anzeiger, 29.09.2015
Eicker, Dr. Bernd: „Bekanntmachung der Stadt“ (zur Erweiterung der Tagsordnung der Ratssitzung am 28.09.2015); Stadt Halver, www.halver.de, 23.09.2015
Kammenhuber, Hans-Jürgen: „Wasserturm fiel erst beim zweiten Versuch“; www.derwesten.de, (16.05.2007)
Kammenhuber, Hans-Jürgen: US-Infanterie marschiert in Halver ein"; Allgemeiner Anzeiger, 11.04.2015
nk: „Täglich zur Pumpstation"; Allgemeiner Anzeiger, 06.01.2015
Ruthmann, Detlef: „Niedrige Gebühren im Bereich Wasser“; Allgemeiner Anzeiger, 12.12.2013
Stadtwerke Bamberg: „Stadtwerke begrüßen EU-Entscheidung gegen Zwangsprivatisierung der Wasserversorgung“; www.stadtwerke-bamberg.de, 26.06.2013
Stadtwerke Halver: „Historie“; www.stadtwerke-halver.de [19.11.2012]
Technisches Hilfswerk Halver: „Halver, Sprengung des Wasserturms“; www.thw-halver.de [19.11.2012]
Zacharias, Frank: „Es geht ums Wasser"; Allgemeiner Anzeiger, 11.10.2013
Zacharias, Frank: „Staubige Arbeiten für klares Wasser"; Allgemeiner Anzeiger, 12.12.2013
Zimmer, Sascha: Was in Halver mal wieder schief läuft“; Email vom 02.10.2015 an Axel Ertelt
 

[1] Nach dem „Lexikon der Wirtschaft“; 2. Aufl., Bibliographisches Institut, Mannheim und F.A. Brockhaus, 2004. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2004.


Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 28.11.2016 17:04:24 Uhr.

 

 


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