Die Hausgemeinschaften Waldfrieden
 
 
Haus Waldfrieden  bei der Anfahrt von oben gesehen. Es handelt sich hier um den Bauabschnitt 2, der noch zum Teil
aus dem kernsanierten Altbau besteht. Foto: © Axel Ertelt.
 
Geschichtlicher Überblick
 
Nach der geschichtlichen Darstellung auf der Homepage von Haus Waldfrieden wurde im Jahr 1895 am Hälversprung [1] ein „Kinder- und Siechenheim“ durch die politische Instanz Halver (Amt Halver bzw. auch politische Gemeinde Halver) gegründet und betrieben [2]. Dies war nach dieser Darstellung der erste Vorläufer der heutigen Hausgemeinschaften Waldfrieden.
 
Anders stellt es jedoch Halvers ehemaliger Stadtdirektor und späterer erster hauptamtlicher Bürgermeister Hans-Jürgen Kammenhuber in seiner „Stadtgeschichte“ dar. Demzufolge baute die „politische Gemeinde“ Halver erst im Jahr 1903 am Hälversprung ein Versorgungshaus, das man als Vorläufer des heutigen Haus Waldfrieden ansehen muss [3]Der Bau wurde durch Amtmann Otto Thomas veranlasst, nachdem dieser eine Forderung des ev. Pfarrers Ewald Dresbach nach dem Bau eines Armenhauses nachkam, die dieser bereits vor der Jahrhundertwende gestellt hatte [4].
 
Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde daraus eine ausschließliche Altenpflegeeinrichtung. Im Jahre 1962 wurde als Ersatz für das in die Tage gekommene alte Gebäude ein Neubau auf dem Nachbargrundstück errichtet. Dieser diente nun als Wohn- und Pflegeheim für bis zu 59 Personen. Rund drei Jahre später, 1965, wurde der Altbau abgerissen, nachdem das neue Altenheim in Betrieb genommen war. Spätestens seitdem ist der Name Haus Waldfrieden für diese Einrichtung bekannt geworden.
 
Von Beginn an bis zum Jahre 1995 war die Stadt Halver Träger des Heimes. 1995 wurde dann die Betriebsträgerschaft an das Diakonische Werk Bethanien e.V. in Solingen übergeben, das auch das Seniorenzentrum Bethanien in Halver betreibt. Das Platzangebot wurde auf 35 Heimplätze reduziert und neuer Heimleiter wurde Bernd Lauermann. Er entwickelte nun ein segregatives Betreuungskonzept für an Demenz erkrankte Senioren. Dies war das Vorläufermodell der heutigen Hausgemeinschaften Waldfrieden. Einige Jahre später kaufte Lauermann die Alteneinrichtung von der Stadt Halver und betrieb sie seit Juni 2003 als e.K. [5]. Als Kaufbedingung wurde die Errichtung einer Ersatzeinrichtung nach dem Hausgemeinschaftskonzept für 52 Bewohner in einem ersten Bauabschnitt vorgegeben. Danach sollte dann der Teilabriss des Altbaus und die anschließende Sanierung des Restbaues mit einem Teilneubau für weitere 32 Bewohner erfolgen. Dies geschah dann Zug um Zug und im Oktober 2006 war der erste Bauabschnitt bezugsfertig.
 
 
Der erste Bauabschnitt mit Häusern im Dorfcharakter, der unterhalb des 2. Bauabschnittes liegt. Foto: © Axel Ertelt.
 
 
Der zweite Bauabschnitt der neuen Hausgemeinschaften
 
In der zweiten Novemberhälfte 2010 begannen, mit rund zwei Jahren Verspätung nach der ursprünglichen Planung, endlich die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt. Ursprünglich waren ein kompletter Abriss des alten, seit Oktober 2006 leer stehenden Gebäudes und ein Neubau geplant. Doch um eine bessere Finanzierungsgrundlage durch die KfW-Bank zu bekommen wurde die ursprüngliche Planung komplett überarbeitet. Verantwortlich für die Planungen war der Architekt Stefan Czarkowski vom Halveraner Büro CL Architektur. Dabei kamen ein Teilabriss und eine Teilsanierung des alten Gebäudes heraus, dessen Außenwände zum Teil stehen bleiben und das dann innen entkernt und saniert werden soll. Insgesamt waren für diese Baumaßnahme 2,4 Millionen Euro veranschlagt. 30 neue Heimplätze in drei Hausgemeinschaften sollten hier barrierefrei entstehen. Wo früher im Altbau die Tagesräume, der alte Speisesaal mit Küche und verschiedene Kellerräume waren, entstanden nun zwei Wohnküchen, ein Dienstzimmer für das Personal, die Speisekammer und Hauswirtschaftsgemeinschaften. Alle Wohnungen erhalten einen ebenerdigen, barrierefreien Eingang. Spätestens bis zum Herbst 2011 soll alles bezugsfertig sein – so die Planungen zu diesem Zeitpunkt.
 
Im März 2011 lagen die Arbeiten noch voll im Zeitplan, nachdem der Winter gut überbrückt werden konnte. Außerdem war man dabei aus dem zermahlenen Bauschutt des abgerissenen Gebäudeteils einen Damm aufzuschütten, der es den künftigen Bewohnern erleichtern soll aus dem Neubau das Freigelände zu erreichen und sich auf den rund 945 Meter langen Wege in der geschützten Anlage zu bewegen.
 
Auch drei Monate später, im Juni 2011, lag man noch im Zeitplan und auch der Kostenrahmen konnte bisher eingehalten werden. Der neue Bauabschnitt bringt zusätzliche 1.600 m² Wohn- und Nutzfläche. Energieeffizienz und neueste Sicherheitsstandards waren für die Baumaßnahme maßgebend. Ein Sattelzug aus Bremerhaven brachte allein für die Anbauten Holzbalken im Gewicht von 10 Tonnen.
 
Am 12. Juli 2011 konnten dann der Bauherr Bernd Lauermann, Architekt Stefan Czarkowski, die Handwerker und geladene Gäste das Richtfest für den zweiten Bauabschnitt feiern. Lauermann dankte in seiner Rede unter anderen den Mitarbeitern des Förderkreises für tatkräftige Unterstützung, dem Bauamt für die hohe Kooperationsbereitschaft, dem Büro CL Architektur und den beteiligten Handwerkern.
 
Anfang November waren sowohl die Dacharbeiten als auch die Rohinstallationen so gut wie abgeschlossen. Ein spezielles Beleuchtungssystem spendet angenehmes Licht. Nur das Personal hat Zugang für die Lichtschalter, die das ganz helle Licht für Notfälle betätigen. Geheizt wird mit einer flächendeckenden Wandheizung und die Fensterbänke sind höhenmäßig so ausgelegt, dass auch die Rollstuhlfahrer problemlos aus dem Fenster schauen können.
 
Der obere Komplex (Bauabschnitt 2) von unten gesehen. Foto: © Axel Ertelt.
 
Im April 2012, konnte dann endlich auch der zweite Bauabschnitt nach seiner Fertigstellung bezogen werden. Am 02. Mai 2012 besuchte der CDU-Politiker Armin Laschet anlässlich der Neueröffnung des zweiten Bauabschnitts das Haus Waldfrieden zwei Wochen vor der Landtagswahl. Mit von der Partie war auch Oliver Fröhling, der für die CDU im heimischen Wahlkreis 123 kandidierte. Ebenfalls waren auch einige CDU-Mitglieder aus Halver anwesend, so beispielsweise auch der damalige Bürgermeister Dr. Bernd Eicker.
 
 
Haus Waldfrieden heute
 
So präsentiert sich auch heute (im Februar 2017) noch diese Einrichtung für insgesamt 84 Personen, die nun von der Waldfrieden KG Halver unter Geschäftsführer Bernd Lauermann betrieben wird. Die Waldfrieden KG Halver ist Mitglied im Verband Deutsche Alten- und Behindertenhilfe e.V. Essen (VDAB).
 
Mit der Übernahme der Einrichtung durch Bernd Lauermann zu Anfang des neuen Jahrtausends wurden die strukturellen Grundsätze samt des Konzeptes konsequent an die Bedürfnisse demenziell erkrankter Menschen angepasst. Der Gebäudecharakter veränderte sich vom großen, mehrgeschossigen Wohnblock in kleine Hausgemeinschaften mit Dorfcharakter in einem großen, weitläufigen Gelände am Hälversprung von 12.500 m² direkt am Waldrand.
 
Das Konzept dieser Hausgemeinschaften orientiert sich am so genannten Hausgemeinschaftsmodell, das vom Kuratorium deutsche Altershilfe (KDA) als besonders geeignete Lebensform für an Demenz erkrankte Menschen angesehen wird. Die Mitglieder solcher Hausgemeinschaften leben nicht in Wohnbereichen oder Stationen sondern in kleinen Gemeinschaften zusammen, die hier ihr Leben teilen. Insgesamt gibt es im Waldfrieden neun solcher Hausgemeinschaften mit acht bis maximal dreizehn Bewohnern, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umsorgt, betreut und gepflegt werden. Gemeinsam mit den Bewohnern bemühen sie sich hier einen Alltag zu gestalten, der sich am früheren selbständigen Leben der Bewohnerinnen und Bewohner orientiert.
 
Die Bewohner nehmen aktiv an Alltagstätigkeiten teil. Dazu gehört das mit dem Personal gemeinsame Vorbereiten der Mahlzeiten genauso wie das Decken der Tische oder andere Arbeiten bis hin zum Wäsche waschen und Bügeln oder Staubwischen und beim Putzen helfen. Ein regelmäßiger Besuch von Angehörigen ist erwünscht und fast immer möglich, da es auch keine festgelegten Besuchszeiten gibt. Feste, Feiern, und der Besuch des Wochenmarktes sorgen für Normalität und sogar Ausflüge oder mehrtägige Urlaubsfahrten finden sich im Angebot der Einrichtung und werden von den Bewohnern gerne genutzt.
 
Eine große Wohnküche, in der sich ein großer Teil des täglichen Lebens abspielt, gehört zu jeder Hausgemeinschaft. Sie bildet gewissermaßen den zentralen Treffpunkt und ist ein beliebter Mittelpunkt für weitere Aktivitäten. Außer dem Kochen und Essen führt auch der soziale Dienst hier Beschäftigungsangebote durch und die örtlichen Pfarrer halten hier für die Bewohner Gottesdienste ab.
 
 
Tiere sollen das Heimleben bereichern
 
Im Haus Waldfrieden gehören auch Haustiere zum Alltag der Bewohner. Die konnten schon Hühner, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen betreuen und füttern. Eine ideale Alternative zum tristen Heimleben in der Stadt kann den Bewohnern der Hausgemeinschaften in der idyllischen Landschaft am Hälversprung damit geboten werden. Und die Heimbewohner nehmen dies gerne an.
 
 
Im Sommer 2011 waren es aktuell zwei Katzen, von denen eine aus dem Tierheim stammte und die zweite von einer Mitarbeiterin mitgebracht wurde, die das Tier zu Hause nicht versorgen konnte. Damals gab es neben sieben Kaninchen auch die drei Meerschweinchen, von denen eins Emma Peel und ein weiteres John Steed genannt wurde – ganz nach der Krimiserie „Mit Schirm, Charme und Melone“, an die sich einige Heimbewohner sicher noch gut erinnern können. Die Meerschwinchen standen damals bereits kurz vor dem Nachwuchs.
 
 

Kontaktmöglichkeiten

 

Hausgemeinschaften Haus Waldfrieden Halver,
Zum Hälversprung 7-11, 58553 Halver,

Telefon: 02353-66610, Email: info@waldfrieden-hausgemeinschaften.de,

Internet: http://www.waldfrieden-hausgemeinschaften.de/

 

Quellen- und Literaturverzeichnis
 
Fraune, Marco: „Früheres Altenheim wird teilweise abgerissen“; www.come-on.de, 23.11.2010
Haus Waldfrieden: „Geschichte und Entwicklung von Haus Waldfrieden“; www.waldfrieden-hausgemeinschaften.de, [09.02.2017]
Haus Waldfrieden: „Über uns – Haus Waldfrieden in Halver“; www.waldfrieden-hausgemeinschaften.de, [09.02.2017]
Haus Waldfrieden: „Hausgemeinschaften – Das besondere Konzept“; www.waldfrieden-hausgemeinschaften.de, [09.02.2017]
Kammenhuber, Hans-Jürgen: „Stadtgeschichte“; www.halver.de, [09.02.2017]
Kammenhuber, Hans-Jürgen: „Ein Amtmann in schwieriger Zeit“; Allgemeiner Anzeiger, 18.02.2017
Maximowitz, Dirk: „Der Abriss…“ (Artikel enthielt keine Überschrift); www.derwesten.de, 23.11.2010
Mylonas, Simone: „‚Waldfrieden 2’ gewinnt an Form“; www.derwesten.de, 23.03.2011
Mylonas, Simone: „‚Waldfrieden 2’ feiert Richtfest“; www.derwesten.de, 13.07.2011
Teipel, Elke: „Haustiere bereichern das Heimleben“; www.derwesten.de, 01.06.2011
Teipel, Elke: „Bald weitere Wohngruppen in Waldfrieden“; www.derwesten.de, 29.06.2011
Teipel, Elke: „Waldfrieden-Ausbau im Zeitplan“; www.derwesten.de, 28.10.2011
Zacharias, Frank: „‚Haus Waldfrieden II’ feiert Richtfest“; www.come-on.de, 13.07.2011
Zacharias, Frank: „‚Schattenminister’ zu Gast: Armin Laschet im Haus Waldfrieden“; www.come-on.de, 02.05.2012
 

 
[1] Hier handelt es sich um das Quellgebiet der Hälver.
[2] Haus Waldfrieden: „Geschichte und Entwicklung von Haus Waldfrieden“; http://test.waldfrieden-hausgemeinschaften.de/geschichte/, [09.02.2017]
[3] Kammenhuber, Hans-Jürgen: „Stadtgeschichte“; www.halver.de, [09.02.2017]
[4] Kammenhuber, Hans-Jürgen: „Ein Amtmann in schwieriger Zeit“; Allgemeiner Anzeiger, 18.02.2017
[5] Eingetragener Kaufmann als Einzelunternehmer.
 

 
Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 19.02.2017 20:45:22 Uhr.