Lidl vs. Werkhof

 

Kapitel 1: Die Beteiligten und Betroffenen

Anfang November 2016 wurde erstmals durch Pressemeldungen öffentlich, dass Lidl in die Halveraner Innenstadt umziehen möchte. Da Lidl aber einen Platz im neuen Einkaufszentrum am ehemaligen Bahngelände verpasste, bleibt dafür nur das ehemalige Wippermann-Areal hinter der Polizeiwache, auf dem sich aber das gut eingeführte und weit über die Grenzen Halvers beliebte Sozialkaufhaus Werkhof befindet. Trotz zahlreicher Proteste und gegen den Willen der Stadt Halver will Lidl mit allen Mitteln zu diesem Standort wechseln. Zu Lasten des Sozialkaufhauses Werkhof und zu Lasten sozial schwacher Bürger wie Hartz-IV-Empfänger, Flüchtlinge und von Alters- und Kinderarmut betroffener Personen. Hier eine ausführliche Information über die Fakten – bis zum bitteren Ende.

 

Lidl – Der profitorientierte Discounter

Die heutige Discounter-Kette Lidl wurde 1978 durch Dieter Schwarz gegründet. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seit Gründung seines ersten Discountergeschäfts im Jahr 1973 bereits 30 Geschäfte, mit denen er allerdings noch am endgültigen Konzept gefeilt hatte. Der profitorientierte Discounter Lidl gehört zur Schwarz-Gruppe, zu der heute auch der Discounter Kaufland gehört, der annähernd das gleiche Programm bzw. Angebot hat. Im Jahr 2017 verfügt Lidl bereits über mehr als 10.200 Filialen in 28 Ländern. Damit ist Lidl nach der Anzahl der Filialen der größte Discounter-Konzern weltweit. Mit seinen 131.456 Mitarbeitern (Stand 2015/16) erwirtschaftete Lidl einen Umsatz von 38,277 Milliarden Euro (Stand 2015/16).

Die Schwarz-Gruppe ist der größte Handelskonzern Europas und der viertgrößte Handelskonzern der Welt. Im Ranking der 500 größten Familienunternehmen der Zeitschrift „Wirtschaftsblatt“ nahm die Schwarz-Gruppe 2013 den ersten Platz ein. Nach einer im August 2017 veröffentlichten Pressemeldung ist der Lidl-Gründer Dieter Schwarz nach den Berechnungen des Wirtschaftsmagazins „Bilanz“ mit einem Vermögen von 37 Milliarden Euro der reichste Deutsche.

In der Vergangenheit geriet Lidl bereits häufig in die Negativschlagzeilen. Oft ging es dabei um das Verhältnis zu den Mitarbeitern, das oftmals als besonders krass und herabwürdigend geschildert wurde. Aber auch mehrmals wurde der Discounter von den Gerichten wegen „Lockvogelangeboten“ verurteilt und bei seinem Eintritt in den tschechischen Markt im Jahr 2003 war dies durch Affären um die Abholzung geschützter Bäume in den Medien angeprangert worden. Die neuesten Negativschlagzeilen machte Lidl Anfang September 2017. Für die Vermarktung griechischer Produkte der Lidl-Marke „Epidanous“ hielten Kirchenbauten der beliebten Urlaubsinsel Santorin als Abbildung auf den Verpackungen her. Soweit, so gut, wären da von Lidl nicht die Kreuze auf den Kuppeln und Türmen wegretuschiert worden. Das sorgte für Empörung, nicht nur in Deutschland, nachdem ein belgisches Nachrichtenportal auf die Retusche aufmerksam wurde und darüber berichtete. Vor allem auf Twitter und Facebook sorgte dies für großen Wirbel und Kritiken kamen selbst aus Politik und Kirchenkreisen.

 

Der Werkhof – Ein Sozialkaufhaus

Der Werkhof als Sozialkaufhaus geht aus einem Kulturprojekt in den 1980er Jahren zurück. Erst mit der Übernahme des städtischen Möbellagers in Hagen, im Jahr 1998, entstand in Hagen-Eckesey in der ehemaligen Villosa-Bonbonfabrik das allererste Sozialkaufhaus Werkhof. Es hatte den Anspruch der Nachhaltigkeit und der Wiederverwendung, sollte auch sozial benachteiligten Menschen eine Hilfe bei Anschaffungen bieten und zusätzlich  auch den vielen Langzeitarbeitslosen eine erste Beschäftigung und Qualifizierung geben. Die Idee fand guten Anklang und schon 2006 wurde ein Sozialkaufhaus Werkhof in Iserlohn eröffnet. Nur ein Jahr später dehnte der Werkhof seine Tätigkeit auf den Märkischen Kreis aus und öffnete 2007 auf dem Wippermann-Gelände in Halver, in den ehemaligen Fabrikräumen der früheren Firma Wippermann, eine neue Zweigstelle. Die offizielle Anschrift des Werkhof lautet: 58553 Halver, Frankfurter Straße 52. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. In dieser Zeit ist der Werkhof auch telefonisch unter der Rufnummer (02353) 6679310 zu erreichen.

Das System basiert auf dem Gedanken „Wiederverwendung statt wegschmeißen“. Noch gute gebrauchte Möbel und Haushaltsgegenstände aus Haushaltsauflösungen und Spenden werden in den Werkstätten des Werkhofs aufgearbeitet und in den Verkaufsräumen zum Verkauf ausgestellt. Der ausgeschriebene Preis gilt für eine Woche. Wird das Objekt in dieser Zeit nicht verkauft, wird es auf die Hälfte im Preis reduziert. Nach einer erneuten Woche, in der das Objekt immer noch nicht verkauft wurde, geht es dann für nur noch einen einzigen Euro weg. Davon profitieren vor allem die sozialschwachen Menschen, die von Hartz-IV, Alters- und Kinderarmut betroffen sind. Das sind in Deutschland bereits Millionen – Tendenz steigend. Und auch die Flüchtlinge können hier günstige Schnäppchen machen und somit leichter den eigenen Hausstand gründen, wenn sie eine eigene Wohnung zugewiesen bekommen.

Der Werkhof hat im Hinterhof auch Halvers Annahmestelle für Elektroschrott in Form von Kleingeräten sowie Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen. Dafür stehen gesonderte Behälter bereit. Die Abgabe des Elektroschrotts erfolgt eigenständig und kostenlos an der Sammelstelle, die zu den Geschäftszeiten des Werkhof (s. oben) erreichbar ist. Elektro-Großgeräte wie Herde, Kühlschränke, Waschmaschinen usw. werden alle vier Wochen abgeholt. Die Abholung kann übers Internet auf der Homepage der Stadt Halver beantragt werden und ist kostenlos.

Ebenfalls im Bereich des Werkhofs hat der im Mai 2017 neu gegründete mobile Pflegedienst Waldfriedenmobil ein Beratungsbüro. Das Büro ist unter der Rufnummer (02353) 6661179 erreichbar. Der Hauptsitz ist Zum Hälversprung 9, im Haus Waldfrieden, Rufnummer (02353) 6661170.

 

Die Stage-Halle im Werkhof

Die Stage-Halle im Werkhof ist Sitz des livemusikclub Halver e.V. und der Clubband „midlive“. Sie hat ein Fassungsvermögen von rund 150 Personen und enthält eine 25 m² (5 x 5 m) große, um 40 cm erhöhte Bühne. Lichttraversen und eine PA-Anlage gehören zur Ausstattung. Zudem ist die Halle rauchfrei, hat eine lichte Höhe von 3,50 m und ist  barrierefrei. Auch die Eingangstore sind ebenerdig anfahrbar. Auch die Herren- und Damen-WC  sind barrierefrei Im Catering Raum gibt es Getränke im Flaschenverkauf sowie einen eingeschränkten Snackverkauf. Der Raucherbereich befindet sich ausschließlich im Eingangsfoyer. Im Hinterhof sind ausreichend Parkplätze vorhanden.

Es geht somit also nicht nur um das Sozialkaufhaus Werkhof, das existenzbedroht ist, sondern auch um die Stage-Halle des livemusikclub Halver e.V., um die Elektroschrott-Sammelstelle der Stadt Halver und um das Informationsbüro von Waldfriedenmobil.

 

Kapitel 2: Aldi weg – Lidl will hinterher

Schon früh stand fest, dass Aldi einer der ersten war, die ins neue Einkaufzentrum auf dem Bahngelände ziehen würden. Damit war auch klar, dass Aldi seine Filiale in der Hagener Straße aufgeben würde. Doch Lidl reagierte nicht und ließ seine Chance ins Einkaufszentrum zu kommen verstreichen. Stattdessen wird das Schwesterunternehmen Kaufland dort angesiedelt. Doch damit kann Lidl offenbar nicht leben.

 

Lidl dackelt immer Aldi hinterher

Als in Halver die erste Aldi-Filiale in der Bahnhofstraße eröffnet wurde, bekam die Stadt kurz darauf auch die erste Lidl-Filiale. Diese öffnete in der gleichen Straße auf der gegenüberliegenden Straßenseite, praktisch unmittelbar dem Aldi gegenüber.

Dann kam der Tag, an dem Aldi aus der Innenstadt in den Außenbereich von Halver umsiedelte und einen Neubau in der Hagener Straße bezog. Lidl zog nach und bezog ebenfalls einen Neubau in der Hagener Straße. Und wieder: Genau dem Aldi gegenüber auf der anderen Straßenseite.

Dann kam das Jahr 2015. Der Bau des neuen Einkaufzentrums am ehemaligen Bahngelände trat in seine akute Phase. Schnell stand fest, dass der Aldi wieder in die Innenstadt kommt und einen der größeren Läden im neuen Einkaufszentrum am ehemaligen Bahnhof beziehen würde. Obwohl noch lange nicht die weiteren Läden alle feststanden, reagierte Lidl nicht. Und dann, nachdem die weiteren Ladenlokale im neuen Einkaufszentrum vergeben waren, da wollte Lidl plötzlich auch wieder in die Innenstadt – wieder in Aldi-Nähe. Doch die Chance im neuen Einkaufszentrum war vertan, die Ladenlokale alle vergeben. Die einzige Chance für Lidl in die Innenstadt und noch in annähernde Aldi-Nähe zu kommen ist das Wippermann-Gelände, auf dem sich das Sozialkaufhaus Werkhof befindet. Und da will Lidl nun mit aller Gewalt hin. Der „Kampf“ Profit gegen Sozial beginnt…

 

Lidl hat den Anschluss verpasst

Durch den Umzug der Aldi-Filiale von der Hagener Straße zum neuen Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Bahngelände befürchtet der Discounter Lidl seit einiger Zeit größere Umsatzeinbußen in seiner Filiale in der Hagener Straße, die der ehemaligen Aldi-Filiale auf der anderen Straßenseite direkt gegenüberliegt. Darum möchte Lidl nun ebenfalls seinen Standort ändern und mit seiner Filiale aus der Hagener Straße in die Innenstadt ziehen. Im neuen Einkaufszentrum war jedoch keine Freifläche mehr, die groß genug dafür gewesen wäre. Darum suchte man bei Lidl nach einem neuen Standort und liebäugelt dabei mit dem Wippermann-Gelände hinter der Polizeistation, auf dem sich derzeit in den alten Wippermann-Werkshallen das soziale Kaufhaus Werkhof, die Stage Halle und die Elektroschrott-Annahme befinden. Eine andere Möglichkeit für den Discounter ist nicht in Sicht.

Es steht fest, dass Lidl bereits vor längerem eine Bauvoranfrage bei der zuständigen Baubehörde im Lüdenscheider Kreishaus gestellt hat, denn bereits im Oktober 2015 hatte die Stadt Halver dem Kreis gegenüber allerdings ihr Einverständnis offiziell versagt. Das bedeutet, dass Lidl gegen den erklärten Willen der Stadt Halver dort bauen müsste. Das wiederum bedeutete, dass die Angelegenheit auf eine juristische Auseinandersetzung hinauslaufen wird.

Nach Informationen, die dem Allgemeinen Anzeiger zugetragen wurden, wie Florian Hesse berichtete (AA, 08.11.2016, „Bauvoranfrage beim Kreis: Darf Lidl in die Stadt?“), wurde kurz zuvor „ein Vermessungstrupp im Auftrage Lidls auf dem Wippermann-Gelände gesichtet“.

Im Fall, dass Lidl dort bauen würde wäre das erste Opfer das Sozialkaufhaus Werkhof, bei dem vor allem die finanzschwachen Personen aus der Bevölkerung sich noch etwas leisten können. Dabei sei besonders an die Stichworte Altersarmut, Kinderarmut, Hartz-IV und Flüchtlinge gedacht. Immerhin bietet der Werkhof auch Beschäftigung für 42 Personen (waren im November 2016 auch schon einmal 59 Personen), die dann ebenfalls arbeitslos würden. Und im direkten Umkreis gibt es kaum etwas Vergleichbares wie den Werkhof. Er besitzt quasi so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal für Halver, hieß es bereits. Es wäre sicher ein großer, nicht ersetzbarer Verlust, wenn es in Halver den Werkhof nicht mehr geben würde – und dies nicht nur für Halver. Und: Brauchen wir in der Innenstadt einen fünften Discounter inmitten des Dreiecks Rewe, Netto sowie Kaufland und Aldi am Bahnhof? Und dann gibt es noch in Sichtweite von Rewe und Netto den Penny-Markt. Außerdem liegt die Stadt Halver nach der endgültigen Fertigstellung des Einkaufzentrums in Punkto Versorgung ca. 40 Prozent über dem Durchschnitt im Vergleich zu anderen Städten.

Zudem würde es ein deutlich erhöhtes Verkehrsaufkommen geben, womit ein Verkehrschaos vorprogrammiert ist. Schon jetzt ist nicht abzusehen, wie sich die Verkehrssituation nach Fertigstellung und Einweihung des neuen Einkaufszentrums im Bereich der Kreuzungspunkte Hagedornstraße und Frankfurter Straße (Ampelkreuzung) bis über die Einmündung Schützenstraße (Sackgasse ohne andere Ausfahrmöglichkeit) bis zur Einmündung der Thomasstraße in die Frankfurter Straße entwickeln wird. Und eine Zufahrt zwischen Schützenstraße und Thomasstraße zu einem weiteren Discounter würde das Verkehrschaos endgültig kollabieren lassen. Schon jetzt (September 2017) rufen Politiker von CDU und den Grünen nach einem neuen Kreisel anstelle der Ampelanlage an dieser Stelle.

 

Baustelle

Hier entsteht die Dokumentation über „Lidl contra Werkhof“ in Halver.

Sie wird laufend aktualisiert und auf den aktuellen Stand gebracht.

 

Kapitel 3: Bürger kämpfen für den Werkhof

Nachdem das Verwaltungsgericht Arnsberg gegen die Stadt und positiv für das Lidl-Bauvorhaben in erster Instanz entschieden und damit quasi auch die Souveränität der Stadt Halver unterlaufen hat, gehen jetzt die Bürger auf die Barrikaden. Kann es denn wirklich angehen, dass ein Gericht gegen die Interessen der Stadt und ihrer Bürger in eigentlich rein städtischer Angelegenheit entscheiden kann und darf?

 

Petition für den Werkhof

Als am 23. August 2017 im Allgemeinen Anzeiger der Bericht erschien, dass das Verwaltungsgericht in Arnsberg in erster Instanz entschieden hat, dass der Märkische Kreis die Bauvoranfrage von Lidl auf dem Wippermann-Gelände positiv für den Discounter bescheiden müsse, richtete ich spontan auf OpenPetition.de eine Petition gegen den profitorientierten Discounter Lidl ein. Links darauf, die ich anschließend in den beiden Halveraner Facebook-Gruppen postete, lösten einen wahren Sturm der Reaktionen aus. Mehr als 95 Prozent davon waren pro Werkhof abgefasst und die Petition wurde regelrecht im Minutentakt gezeichnet und massenhaft positiv für den Werkhof kommentiert.

Sowohl die unzähligen Reaktionen auf Facebook als auch mehr als 150 Mitzeichner der Petition schon in den ersten Stunden veranlassten auch Florian Hesse darüber am 24. August 2017 einen Bericht im Allgemeinen Anzeiger zu veröffentlichen (Lidl-Pläne bewegen die Halveraner“). Und auch das Lüdenscheider Onlineportal Guten-Tach.de berichtete am 27.08.2017 zum Thema und zu meiner Online-Petition („Werkhof gefährdet: Widerstand gegen Lidl-Pläne“). Das liest sich dann beispielsweise so: „Auch Halver bietet das Musterbild falscher Entscheidungen – zu Lasten seiner Bürger. … Dagegen wehren sich endlich die Bürger der Stadt. Wenn sie schon nicht durch die Stadtoberen gut vertreten werden können, dann müssen sie die Angelegenheit eben selbst in ihre Hände nehmen.“ Und Klaus Westensee, ehemals Pressesprecher der Schleifkottenbahn GmbH für das geplante SchienenTaxi, wird dort wie folgt zitiert: „Tatsache ist: Lidls Vorhaben stört die Sozialstruktur der Stadt – zugunsten kapitalorientierter Interessen.“

 

Werkhof-Transparent am Lidl-Markt

Da staunten die Halveraner nicht schlecht, als am Sonntag dem 10.09.2017 plötzlich ein großes Transparent am Lidl-Markt hing und das Lidl-Emblem verdeckte. Auf dem riesigen Protestbanner war in großen Buchstaben zu lesen „Der Werkhof soll bleiben!“ Etwas kleiner stand dann noch darunter: „#Wir bleiben Ihnen treu“.

In einem Artikel dazu veröffentlichte AA-Journalist Florian Hesse auf der Zeitungshomepage come-on.de ein Foto des Transparents, welches ca. fünf Meter breit und zwei Meter hoch gewesen ist. Es war am Dach des Lidl-Markts befestigt und hing in einer Höhe von rund sechs Metern. Eine solche Aktion hatte in Halver wohl niemand erwartet. Sie zeigt einmal mehr ganz deutlich, wie verärgert der Großteil der Halveraner Bürger über den Discounter Lidl wegen dessen Werkhof-Abrisspläne ist.

 

Flüchtlingshilfe unterstützt Petition mit Unterschriftenlisten

Wie praktisch in jeder Stadt oder Gemeinde sind auch in Halver eine gewisse Zahl an Flüchtlingen, die entweder auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten oder nach einem positiven Bescheid ins deutsche Alltagsleben eingeführt werden müssen. Dabei leistet auch die Halveraner Flüchtlingshilfe einen großen Beitrag zur Integration. An einer Integration ist auch der Werkhof maßgeblich beteiligt – und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits kann er Flüchtlingen eine Chance geben das deutsche Arbeitsleben in einem ersten Schritt kennen zu lernen und andererseits bietet er diesen Menschen eine günstige Möglichkeit zur Einrichtung ihres ersten Haushaltes mit Möbeln, Kleidung und Haushaltsgegenständen.

Besonders engagiert ist auch Diana Hutchinson bei der Flüchtlingshilfe. Als sie von meiner Petition für den Werkhof erfuhr, meldete sie sich spontan bei mir und wir überlegten, was man noch weiter machen könnte um auf das Dilemma aufmerksam zu machen und dem Werkhof dabei zu helfen und zu unterstützen. Neben Kontakten zur Heimatzeitung wurde auch mit dem WDR Kontakt aufgenommen. Vor allem aber war eine Unterschriftenaktion für die Petition angesagt. Zu dieser konnte auf der Petitionsseite ein Unterschriftsformular aufgerufen und ausgedruckt werden. Frau Hutchinson gelang es zahlreiche Bekannte zu animieren um sie bei der Unterschriftenaktion zu unterstützen. Diese wurde dann über mehrere Tage vor dem Werkhof durchgeführt, wobei sich die allermeisten Werkhofbesucher spontan zur Unterschrift bereit erklärten. Auch beim Herbstlichterlauf wurde aktiv für die Petition geworben und beim Halveraner Herbst, wo Frau Hutchinson mit ihren Mitstreitern beim Werkhof und am Stand der Flüchtlingshilfe aktiv war, kam eine wahre Flut an Unterschriften für den Werkhof zusammen.

Bis zum 11. Oktober 2017 konnten bereits 218 Unterschriftsbögen mit insgesamt 2.169 Unterschriften eingescannt und zur Petition hochgeladen werden. Nach dem Halveraner Herbst lagen auch in einigen Geschäften noch die Unterschriftenlisten aus. Um weiterhin rege Beteiligung wurde gebeten. Man konnte die Petition auch nach wie vor online mitzeichnen. Aber jeder nur einmal – online oder per Liste. Die Petition lief noch bis zum 22. November 2017. Bei den Unterschriftslisten konnte man seine Emailadresse eintragen, wenn man per Email auf dem Laufenden gehalten werden wollte. Dabei war unbedingt zu beachten, dass die Emailadresse in gut leserlichen Druckbuchstaben geschrieben wurde und dann auch das Kreuz im Feld hinter dem Satz „Ich möchte per E-Mail informiert bleiben.“  nicht vergessen wurde, denn ohne dieses Kreuzchen durfe die Emailadresse bei der Petition nicht eingetragen werden. Wenn sich also jemand wundert, warum er trotz Eintragung seiner Emailadresse nicht auf dem Laufenden gehalten wird, dann wird dies einen der folgenden Gründe haben:

  • Das Kreuzchen wurde vergessen und deshalb durfte die Emailadresse nicht weitergegeben werden.
  • Die Emailadresse war nur bedingt leserlich, so dass sich ein Fehler eingeschlichen hat, der eine Zustellung verhindert.
  • Die Emailadresse war völlig unleserlich angegeben und konnte gar nicht erst eingetragen werden.

Zu den 2.169 Unterschriften auf den Listen kommen (Stand 15. Oktober 2017, 15.20 Uhr) noch 825 hinzu, die die Petition online gezeichnet haben. Das sind dann insgesamt 2.994 Unterzeichner für den Werkhof, von denen 1.659 aus Halver kamen. Tatsächlich dürften es sogar um die 50 Halveraner mehr gewesen sein. Doch haben diese leider „vergessen“ ihren Wohnort einzutragen. Deshalb konnten diese nicht eindeutig  Halver zugeordnet werden. Statistisch gesehen hatten bis jrtzt bereits rund 10 Prozent – oder jeder Zehnte – der Einwohner Halvers die Petition mitgezeichnet.

 

Werkhof lohnt sich

Pünktlich zum Halveraner Herbstlichterlauf wurde auch das Banner „Werkhof lohnt sich“ fertig. Auch dies ist eine Aktion von Diana Hutchinson und der Flüchtlingshilfe. Das Banner soll auf die ungewisse Zukunft des Werkhofs hinweisen und die Unterschriftenaktion unterstützen. Es wurde gegenüber der Einfahrt zum Werkhof an dem Gerüst befestigt, mit dem das dortige ehemals „blaue Haus“ derzeit eingerüstet war.

Das „blaue Haus“ wurde inzwischen zum „roten Haus“ und das Gerüst ist wieder weg. Das Werkhof-Banner wurde daraufhin an die Straße, zwischen zwei Bäume, gespannt und ist immer noch ein deutliches Zeichen „Pro Werkhof“.

 

Auch der WDR kam zweimal und berichtete im Radio und TV

Zwischenzeitlich war auch der WDR2 vor Ort und berichtete zum Fall „Lidl vs. Werkhof“ in seinen Nachrichten am 26. September 2017. Online war dann auf der WDR-Seite neben dem Nachrichtentext auch ein Bild mit dem Banner vor dem damals noch „blauen Haus“ abgebildet. Auch das WDR-Fernsehen zeigte noch Interesse an der Angelegenheit und es sollte da noch zu einem Bericht kommen.

Anfang der zweiten Oktoberhälfte konnte Florian Hesse im Allgemeinen Anzeiger bereits verkünden, dass bei der Petition schon mehr als 3.000 Unterschriften zusammen gekommen waren. Zudem war das WDR-Team für die Filmaufnahmen bereits vor Ort in Halver gewesen. Der WDR-Bericht wurde dann schließlich am Abend des 9. November 2017 in der „Lokalzeit Südwestfalen“ gezeigt. Nachdem das Video einige Tage auf der WDR-Homepage abrufbar war, wurde es inzwischen leider wieder aus dem Netz gelöscht, da Sendungen nach geltendem Recht nicht unbegrenzt online stehen dürfen, wie der WDR in einer Fehlermitteilung schreibt.

 

Ein herausragendes Ergebnis für die Petition

Am 22. November 2017 endete schließlich die drei Monate laufende Petition für den Erhalt des Halveraner Werkhofs. Sie war ein herausragender Erfolg – vor allem Dank der Hilfe und Unterstützung von Diana Hutchinson. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

Insgesamt gab es 3.469 Stimmen für den Werkhof. Davon wurden 980 online abgegeben und 2.489 auf den Unterschriftslisten. Es waren sage und schreibe 256 Listen, von denen 252 von der Flüchtlingshilfe und Frau Hutchinson gesammelt wurden. 4 Listen (mit insgesamt 31 Stimmen) wurden durch Dritte hochgeladen. Von den gesamten Unterschriften kamen 1.917 aus Halver. Das sind deutlich mehr als 10 % der Halveraner Bürger. Das Quorum (Sammelziel) für eine Stadt der Größenordnung Halvers wurde von OpenPetition.de auf 390 Unterzeichner aus Halver festgelegt. Es war bereits wenige Tage nach Petitionsbeginn überschritten und entspricht tatsächlich fast dem fünffachen des ursprünglich erwarteten Sammelziels.

Die Listen werden in Kürze offiziell an Bürgermeister Michael Brosch übergeben. Damit hat dieser ein gutes Argument über die Meinung der Bürger in Händen. Hoffen wir, dass die Aktion etwas nutzt und somit erfolgreich war.

 

Kapitel 4: Abriss vertagt?

  

 

 

 

 

Kapitel 5: Auf der Suche nach einem Alternativ-Standort

Früher oder später muss mit einem Abriss des Werkhofs gerechnet werden, wenn Lidl von seinem Plan dort zu bauen nicht ablässt. Dies auch aus der Perspektive betrachtet, dass es sich Richter anmaßen in solchen Fragen über die Köpfe der betroffenen Kommunen und Bürger zu entscheiden. Also wird bereits seit längerem über einen Alternativ-Standort bzw. Ausweich-Standort für den Werkhof gesucht... 

 

 

 

 

 

 

Quellen- und Literaturverzeichnis

Allgemeiner Anzeiger: „Lidl-Gründer ist der Reichste“; Allgemeiner Anzeiger, 25.08.2017
Allgemeiner Anzeiger: „Oktoberfest im Werkhof“; Allgemeiner Anzeiger, 02.09.2017
Bau, Walter: „Kirchenkreuze von Packung entfernt – Lidl entschuldigt sich“; www.nrz.de, 04.09.2017
Bündnis 90/Die Grünen: „Werkhof: Ein alternativer  Standort muss her“; in: „Halver. Jetzt.“, Politik-Info an alle Haushalte in Halver, postalische Verteilung am 15.09.2017
Ertelt, Axel: „Gegen Discounter Lidl, der will Sozialkaufhaus Werkhof abreißen und dort selbst bauen“; www.openpetition.de, 23.08.2017
guten-tach.de: „Werkhof gefährdet: Widerstand gegen Lidl-Pläne“; http://guten-tach.de, 27.08.2017
Hallo Halver: „Dankeschön an die Bürger“; Hallo Volmetal / Hallo Halver, 21.09.2017
Hesse, Florian: „Bauvoranfrage beim Kreis: Darf Lidl in die Stadt?“; Allgemeiner Anzeiger, 08.11.2016
Hesse, Florian: „Lidl will in die Innenstadt“; www.come-on.de, 08.11.2016
Hesse, Florian (flo): „Abrissantrag für Werkhof gestellt“; Allgemeiner Anzeiger, 11.11.2016
Hesse, Florian: „Werkhof: Kreis erlaubt Abbruch"; Allgemeiner Anzeiger, 02.03.2017
Hesse, Florian: „Werkhof: Kreis erlaubt Abbruch“; www.come-on.de, 03.03.2017
Hesse, Florian: „Werkhof: Zuversicht in der Standortfrage"; Allgemeiner Anzeiger, 03.03.2017
Hesse, Florian: „Werkhof: Zuversicht in der Standortfrage“; www.come-on.de, 03.03.2017
Hesse, Florian: „Lidl klagt gegen Märkischen Kreis“; www.come-on.de, 12.05.2017
Hesse, Florian (flo): „Erster Prozess um Lidl-Standort in der Stadt"; Allgemeiner Anzeiger, 13.05.2017
Hesse, Florian: „Lidl gewinnt Prozess gegen Kreis und Stadt“; www.come-on.de, 23.08.2017
Hesse, Florian: Lidl-Pläne bewegen die Halveraner“; www.come-on.de, 24.08.2017
Hesse, Florian: „Werkhof würde gerne in Halver bleiben“; www.come-on.de, 25.08.2017
Hesse, Florian: „Protest-Transparent am Lidl-Markt“; www.come-on.de, 10.09.2017
Hesse, Florian (flo): „Initiative pro Werkhof"; Allgemeiner Anzeiger, 23.09.2017
Hesse, Florian: „Veränderungssperre und Bebauungsplan"; Allgemeiner Anzeiger, 27.09.2017
Hesse, Florian: „Werkhof zumindest ein Jahr gesichert"; Allgemeiner Anzeiger, 21.10.2017
Hesse, Florian: „Werkhof in Halver ein Jahr gesichert"; Der Bote, 25.10.2017
Hesse, Florian (flo): „Mehr als 3.000 Unterschriften für Erhalt des Werkhofs"; Allgemeiner Anzeiger, 27.10.2017
Livemusikclub Halver e.V.: „Stage-Halle im Werkhof“; www.livemusikclub.de, [13.09.2017]
Mais, Alex: „Discounter will Sozialkaufhaus platt machen“; www.onlinezeitung24.de, 25.08.2017
Pfannschmidt, Yvonne: „Werkhof-Abriss wäre eine Katastrophe“; Hallo Volmetal / Hallo Halver, 21.09.2017
sar: „1.752 Unterschriften für den Werkhof"; Allgemeiner Anzeiger, 27.09.2017
WDR: „Sozialkaufhaus in Halver soll Discounter Weichen“; WDR2 Radio, 26.09.2017
WDR: „Werkhof Halver droht Schließung“; WDR TV, Lokalzeit Südwestfalen, 09.11.2017
werkhof-hagen.de: „Der Werkhof“; www.werkhof-hagen.de, [11.09.2017]
werkhof-hagen.de: „Sozialkaufhaus“; www.werkhof-hagen.de, [11.09.2017]
Wikipedia: „Lidl“; de.wikipedia.org, 09.09.2017
Wikipedia: „Schwarz-Gruppe“; de.wikipedia.org, 27.08.2017
 

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